Rottweil | Neugestaltung Innenstadt

Integration von Stadtstraßen

Das Stadtbild Rottweils – als älteste Stadt Baden-Württembergs – ist geprägt durch das historische Straßenkreuz der  Hochbrücktorstraße und Hauptstraße sowie Gebäudestrukturen, die bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Die Wahrnehmung der historischen Mitte mit seinen prachtvollen Bürgerhäusern war bis 2008 jedoch durch einen ungeordneten und in weiten Teilen vernachlässigten Verkehrsraum stark eingeschränkt, das räumliche Gefüge im Herzen der Stadt aus dem Gleichgewicht. Eine Neuordnung der zentralen Erschließungsachsen im Zuge von Leitungserneuerungen sollte diese funktionalen und gestalterischen Mängel beheben. Gleichwohl erschienen die Rahmenbedingungen, den historischen Stadtraum als lebendige Mitte zurückzugewinnen aufgrund der Dominanz der Landesstraße 423 mit einer Verkehrsbelastung von rd. 18. 500 Kfz/24h, einem hochbelasteten Kreuzungspunkt und den Ansprüche des ruhenden Verkehrs in der Hauptgeschäftslage ungünstig. Ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb 2008 sollte die Chancen eine Neuausrichtung ausloten.

 Das prämierte Gestaltungskonzept von pesch partner architekten stadtplaner GmbH in Zusammenarbeit mit Brilon Bondzio Weiser Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen mbH sieht vor, den Straßenquerschnitt der Landesstraße zugunsten höherer Gestalt- und Aufenthaltsqualität in der historischen Mitte neu zu definieren und den unverwechselbaren Charakter für Rottweil-Mitte durch ein einheitliches Erscheinungsbild im öffentlichen Raum herauszuarbeiten. Durch Neuaufteilung des Straßenraums erfolgt eine optimierte Gliederung und Ordnung der vorhandenen Funktionen: die Fahrbahnbreite wird reduziert, der Parkraum neu organisiert, breite, großzügig angelegte Gehwege erlauben entspanntes Flanieren entlang der Geschäftszeilen. Der neue Straßenquerschnitt sieht eine kompakte Kernfahrbahn von 6,00 m Breite (ehemals bis zu 10,50 m) vor. Der Radverkehr erhält dabei einen eigenen Verkehrsraum in Form eines neu angelegten, durchgehenden Angebotsstreifens. Abweichend von der üblichen baulichen Gestaltung wurde der Schutzstreifen nicht in Asphalt, sondern im gleichen Material wie die Seitenflächen anzulegen. Barrierearme Querungsmöglichkeit für Fußgänger und eine komfortable Befahrbarkeit für Radfahrer können dadurch ermöglicht werden.

Um die Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen von Straßenraumgestaltungen gemeinsam genutzter  Verkehrsräume zu untersuchen, wurde durch das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg ein für Landesstraßen einmaliger Modellvorhaben als „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, Tempo-20-Zone“ ermöglicht. Der zweijährige Probelauf wurde durch ein bundesweites Forschungsprojekt begleitet. Aufgrund der positiven Erfahrungen und der durch die Gestaltung begünstigten rücksichtsvollen Miteinanders der Verkehrsteilnehmer wurde zwischenzeitlich eine unbefristete Anordnung der erprobten Verkehrsbeschränkungen angeordnet. Das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs sowie die weiteren Planungsfortschritte wurde im Rahmen vom mehreren Bürgerwerkstätten intensiv mit Bürgerinnen und Bürgern sowie den Gewerbetreibenden erörtert und 2011 mit einem dreitägigen Bürgerfest eingeweiht.

 

Auftraggeber

Stadt Rottweil

Projektzeitraum

2009 – 2011

Projektdaten

Planungsgebiet 1,4 ha

Projektpartner

Brilon Bondizo Weiser, Ingenieurgesellschaft
für Verkehrswesen

Pirker und Pfeiffer Ingenieure GmbH & Co. KG

Leistungen

Realisierungswettbewerb

Verkehrs/Freiraumplanung HOAI Lph1-5

Gestalterische Oberleitung Lph 6-8

Auszeichnung

1. Preis Realisierungswettbewerb